Infektionen im Vaginalbereich sind häufig und können durch verschiedene Bakterien, Viren oder Pilzarten verursacht werden.

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Welche Symptome treten auf?

Sehr oft ist es Ausfluss, durch den die Frau erkennt, dass „etwas nicht stimmt“. Wobei jedoch der Ausfluss nicht immer krankhaft, sondern auch ganz natürlich sein kann. In jedem Fall jedoch sollte eine gründliche gynäkologische Untersuchung erfolgen. Es erfolgt ein unkomplizierter Abstrich aus der Vagina, der dann mikroskopisch untersucht werden kann. Dadurch lassen sich die meisten Bakterien oder Pilze nachweisen. Bei wiederkehrenden oder unklaren Fällen wird ein Abstrich in ein mikrobiologisches Labor geschickt, wo dann der genaue Keim (Bakterien, Pilze, Viren, Trichomonaden) identifiziert werden kann.

Eine Früherkennung und Behandlung ist wichtig, denn durch verschleppte Infektionen können Entzündungen im Bauchraum mit deutlichen Schmerzen entstehen.

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Ist Ausfluss immer krankhaft?

Hinter Ausfluss steckt nicht immer eine Krankheit oder eine Infektion. Junge Mädchen leiden häufig zu Beginn der Pubertät unter verstärktem Ausfluss (Weißfluß, Fluor albus). Das ist kein Grund zur Sorge. Vielmehr zeigt der Organismus damit an, dass er von nun an mehr weibliche Geschlechtshormone (Östrogene, Gestagene) produziert – und dass demnächst mit der ersten Menstruation (Regelblutung) zu rechnen ist. Auch bei erwachsenen Frauen gibt es Unterschiede des Ausfluss im Verlauf des Monatszyklus. Im Bereich der fruchtbaren Tage ist dieser oft vermehrt.

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Durch welche Erreger werden Infektionen häufig ausgelöst?

Infektionen an der Vulva und der Vagina können durch verschiedene Erreger ausgelöst werden. Nicht immer ist der Geschlechtsverkehr schuld, sondern unter Umständen eine falsche Hygiene sowie Medikamenteneinnahme o.ä.

Häufige Krankheitsbilder und Erreger sind:
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Aminkolpitis (ausgelöst durch z.B. Gardnerella vaginalis)

Die Aminkolpitis gehört zu den häufigsten Vaginalinfektionen.

Beschwerden

Die Infektion verursacht Ausfluss mit Gefühl der Nässe und erzeugt einen charakteristischen fischigen Geruch. Die Scheidenflora ist bakteriell stark gestörte. Mischinfektionen mit weiteren Erregern sind möglich. Diese Infektion zieht leicht andere Krankheitserreger nach sich.

Diagnostik

Ihre Frauenärztin wird einen Vaginalabstrich vornehmen. Sie wird mit direktem mikroskopischem Nachweis der verschiedenen Bakterien, einer Geruchsbestimmung und durch Kontrolle des pH-Wertes des Scheidensekrets (Fluor) die Diagnose stellen. In Einzelfällen muss eine Zellkultur zum Nachweis weiterer Keime angelegt werden. Die Infektion kann durch anal-vaginale Sexualkontakt erfolgen und gehört zu den Krankheiten, die durch Geschlechtsverkehr übertragen werden.

Therapie

Je nach Schwere der Erkrankung dauert die Behandlung mehrere Tage. Die Behandlung mit Tabletten zum Einnehmen ist Standard. Es ist auch eine Scheidenbehandlung möglich. Tirtt die Infektion wieder auf, nachdem sie behandelt worden ist, sollte der Partner mitbehandelt werden.
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Pilz – Infektion (syn. Mykosen, Soor)

Pilz – Infektionen werden oft durch Hefepilze, insbesondere Candida albicans ausgelöst. Dieser Hefepilz kommt natürlich im Körper vor.

Beschwerden

Die Infektion äußert sich durch Juckreiz, manchmal auch durch Brennen innerhalb der Scheide. Ein flockig-weißer oder krümelig-gelblicher Ausfluss kann festgestellt werden. Weitere Merkmale sind Brennen beim Wasserlassen; Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und geschwollene, rot entzündete Schamlippen

Diagnostik

Ihre Frauenärztin wird einen Vaginalabstrich vornehmen und kann den Nachweis direkt in der Praxis mikroskopisch erbringen. Wenn im Abstrich die Pilze nicht nachgewiesen werden können, die Beschwerden aber auf eine Pilzinfektion hinweisen, wird Ihre Frauenärztin eine Zellkultur veranlassen.

Die Pilze stammen häufig aus der Nahrung und gelangen über Mund und Darm auch in den Scheidenbereich. Sexualkontakte, nasse Badeanzüge, mangelnde Hygiene begünstigen dieses Eindringen in die Scheide. In Einzelfällen kann der Pilz auch durch feuchte Holzbänke, Plastiksessel oder das Liegen in Sauna, Schwimmbad, Solarium, unsaubere Toilettensitze, aber auch durch infizierte Partner übertragen werden. Bei Einnahme von Antibiotika aus anderen Gründen kann es ebenfalls zu einer stärkeren Vermehrung der Pilze kommen.

Therapie

Die Behandlung erfolgt lokal mit Vaginalzäpfchen und Salben (z. B. Polyen- oder Imidazol-Präparaten).

In leichten Fällen kann eine Einmal-Behandlung ausreichend sein. In der Regel sind Behandlungen von wenigen Tagen (drei bis fünf) ausreichend. In schweren Fällen wird die Therapie länger dauern. Tritt die Infektion immer wieder auf, so kann auch eine entsprechende Behandlung von Mund- und Darmbereich notwendig werden.
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Trichomonaden (Trichomonas vaginalis)

Es handelt sich dabei um einen Parasiten, der nur durch direkten Kontakt über die Schleimhäute übertragen wird.

Beschwerden

Der Parasit löst Scheiden- und Harnröhrenentzündung aus und kann auch die Harnröhre des Mannes befallen. Die Infektion ruft ein starkes, oft unerträgliches Brennen hervor, zum Teil mit Juckreiz. Zudem ist ein übelriechender, grünlich-schaumiger Ausfluss festzustellen.

Diagnostik

Auch hier wird  ein Abstrich aus der Scheide (evtl. Harnröhre) genommen. Bei der mikroskopischen Untersuchung sieht die Frauenärztin die beweglichen Trichomonaden. Die Übertragung erfolgt fast ausschließlich durch Sexualkontakt. Obschon die Männer auch befallen werden, verspüren sie häufig keine Beschwerden.

Therapie

Es müssen unbedingt beide Partner behandelt werden, sonst besteht die Gefahr einer erneuten Infektion. Die Behandlung erfolgt mit Nitroimidazol-Präparaten in Tablettenform für beide Partner und evtl. zusätzliche Vaginalzäpfchen für die Frau.
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Chlamydieninfektion (Chlamydia trachomatis)

Chlamydien sind Bakterien, welche Frauen und Männer gleichermaßen befallen.

Beschwerden

Bei Frauen können Chlamydien eine Muttermundentzündung auslösen. Auch die Harnröhre wird befallen, was zu Brennen beim Wasserlassen führt. Zudem können auch Zwischenblutungen oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr auftreten. Oft treten aber gar keine Beschwerden auf. Insbesondere beim Mann, der dadurch unwissentlich zu m Überträger wird und durch die fehlende Behandlung an Spätfolgen erkranken kann. Besondere Gefahr besteht durch aufsteigende Infektion. Unklare, chronische Bauchbeschwerden durch eine meist leichte Eileiterentzündung können Verklebungen und Verwachsungen auslösen. Spätere Unfruchtbarkeit kann die Folge sein.

Diagnostik

Um Chlamydien festzustellen, wird Ihre Frauenärztin einen Abstrich aus dem Gebärmutterhalskanal (Zervix) entnehmen und manchmal auch zusätzlich aus der Harnröhre. Der Erreger kann durch Zellkultur (nur im mikrobiologischen Fachlabor möglich) nachgewiesen werden. Mittels ELISA-Test, Immunfluoreszenztest oder Blutserumtest zum Nachweis von Antikörpern kann auch später noch ermittelt werden, ob der Körper eine Chlamydieninfektion durchgemacht hat. Chlamydien werden durch Geschlechtsverkehr übertragen. Da oft keine Beschwerden vorhanden sind, ist es empfehlenswert, wenn die Frauen sich einmal jährlich im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung. Diese Untersuchung wird von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. testen lassen.

Therapie

Diese Infektion wird mit Antibiotika, (z. B. Tetrazykline, Doxycycline oder Erythromycin in der Schwangerschaft) behandelt.
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Herpes – Infektion (Herpes genitalis, Herpes-simplex Virus II)

Bei Herpes handelt es sich um einen Virus, der relativ häufig vorkommt.

Beschwerden

Ähnlich der Herpes-Infektion an den Lippen kann auch an den Genitalien ein juckender, brennender, oft sehr schmerzhafter Bläschenausschlag auftreten. Er geht dann in Geschwüre über und verschorft bis zur Heilung.

Diagnostik

Ihre Frauenärztin begutachtet die Scheide und wird einen Abstrich aus Scheide und vom Zervix nehmen. Eine Zellkultur aus der Bläschenflüssigkeit; sowie serologische Spezialuntersuchung (z.B. Immun- Fluoreszenztest, ELISA-Test) führen zur Diagnose. Die Herpes – Infektion entsteht durch Sexualkontakt mit einem infizierten Partner, der häufig nichts von seiner Infektion weiß. Da das Virus in den meisten Fällen in bestimmten Nervenzellen des Körpers bleibt, kann es später auch ohne Sexualkontakt zum Wiederauftreten der Bläschen kommen.

Therapie

Im Anfangsstadium wird Ihre Frauenärztin virushemmende Substanzen (z. B. Acyclovir) als Tabletten oder lokal als Salben und zusätzlich schmerzstillende Medikamente sowie kühlende und hautheilende Salben verschreiben.
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Viruswarzen (Papillomviren, verursacht durch humanes Papillomavirus)

Die Viruswarzen werden durch Papillomviren ausgelöst.

Beschwerden

Bei den Viruswarzen handelt es sich um erhabene Warzen (Kondylome) an Schamlippen, Scheide oder am After. Am Gebärmuttermund sind sie häufig als flache Warzen zu erkennen.
Vor allem bei jungen Frauen unter dreißig finden sich häufig Hinweise für eine Papillomviren- Infektion. Das hat sich bei den vorsorglichen Krebsfrüherkennungs- Untersuchungen herausgestellt. Da diese Viren auch krankhafte Gewebeveränderungen an Muttermund und Zervix (Gebärmutterhalskanal) verursachen können, sollten betroffene Frauen regelmäßig untersucht werden.

Diagnostik

Ihre Frauenärztin erkennt die Viruswarzen durch Begutachtung. Sie wird die typischen Warzen feststellen und eine kolposkopische Untersuchung des Gebärmuttermundes (Portio vornehmen. Zudem erfolgt auch ein Zellabstrich welcher im Labor verschiedenen Untersuchungen unterzogen wird. Bei Bedarf wird zudem eine Warzenprobe entnommen und histologische untersucht. Die Ansteckung erfolgt durch Sexualkontakt.

Therapie

Die Behandlung erfolgt durch lokales Betupfen mit virushemmender Lösung. Viruswarzen bzw. die Gewebeveränderungen können operative entfernt werden. Der Eingriff kann chirurgisch, aber auch elektrisch, mittels Laser oder durch Kälteverschorfung stattfinden. Eine regelmäßige Kontrolle im Rahmen der vorsorglichen Krebsfrüherkennungs-Untersuchungen ist wichtig, da bestimmte Papillomviren am Entstehen des Muttermundkrebses beteiligt sind.
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Was kann ich tun um mich zu schützen und zu gesunden?

  • Sie können selber viel zum Schutz vor Infektionen beitragen. Nachfolgend finden Sie entsprechende Hinweise.
  • Hautpilze mögen zuckerreiches Gewebe. Darum verzichten Sie lieber auf zu viel Süßigkeiten. Besonders in der Zeit der Behandlung einer Infektion wirkt eine zuckerarme Ernährung unterstüzend.
  • Feuchtwarmes Milieu lässt Hautpilze wachsen. Wichtig ist den Körper nach dem Baden gut abzutrocknen.
  • Wenn Sie häufig unter derartigen Infektionen leiden, sind vielleicht Ihre Abwehrkräfte geschwächt. Auch Medikamente unterdrücken oft die Immunabwehr.
  • Milchsäure-Zäpfchen aus der Apotheke helfen, das gesunde saure Scheidenmilieu wieder herzustellen. Sie unterstützen die nützlichen Döderlein-Keime, die Krankheitserreger abzuwehren.
  • Waschen Sie sich im Intimbereich mit Wasch-Substanzen, die keine Alkaliseife enthalten. Also zum Beispiel mit pH-neutralen Syndets. Auch sind Hände weitaus hygienischer als ein öfter benutzter Waschlappen.
  • Es gibt Pilze und Keime, die im Stuhlgang sitzen. Reinigen Sie also mit dem Toilettenpapier immer „von vorn nach hinten“ und nicht umgekehrt.
  • Häufig wechselnde Partner und Analverkehr wirken sich störend auf die normale Scheidenflora aus. Der Körper ist hier besonders anfällig für eine Infektion.

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Was muss der Partner beachten?

Auch wenn Vaginal-Infektionen nicht alle zu den Geschlechtskrankheiten gezählt werden (denn manche können sich auch ohne Sexualkontakt übertragen), so steckt doch in vielen Fällen ein Partner den anderen an. Diese Infektionen sind also Krankheiten, die beide angehen – den Mann und die Frau. Wenn Sie unter einer Infektion leiden, muss oft Ihr Partner mitbehandelt werden. Ganz einfach deshalb, weil er Sie sonst immer wieder anstecken würde.

Ihre Frauenärztin wird Ihnen nach der Untersuchung sagen, ob Ihr Partner mitbehandelt werden muss. Je nach Infektionsart genügt für ihn oft eine Salbe; manchmal jedoch ist eine Tablettenbehandlung notwendig. Die Partnerbehandlung ist wichtig! Gesund sind beide Partner erst dann, wenn der Kontrollabstrich keine Krankheitskeime mehr zeigt.
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Was müssen Schwangere beachten?

Schwangere sind anfällig für Infektionen – besonders für Pilzinfektionen. Achten Sie darauf, dass eine mögliche Infektion bis zur Entbindung behandelt und kuriert ist, damit sich das Kind bei der Geburt nicht anstecken kann.

Besonders gefährlich ist eine unbehandelte Chlamydien-Infektion der Mutter. Wenn sich das Kind bei der Geburt infiziert, kann dies bei ihm zu Entzündungen der Augen, des Mittelohrs und der Lungen führen. Darum müssen sich erkrankte Schwangere auch unbedingt mit einem geeigneten Antibiotikum behandeln lassen.

Leidet die Schwangere z. B. unter Herpes genitalis, muss mit dem Arzt/der Ärztin entschieden werden, ob das Kind durch Kaiserschnitt zur Welt gebracht werden soll.

Auch wenn ein Ausfluss in den seltensten Fällen auf eine gefährliche Krankheit hindeutet und meistens ganz „natürlich“ ist, ist es das Sicherste wenn Sie Ihre Frauenärztin. W darauf ansprechen. Warten Sie nicht zu lange: Lassen die Beschwerden spätestens nach dem nächsten Zyklus nicht nach, sollten Sie sich unbedingt einen Untersuchungstermin geben lassen. Meist kann dann sofort festgestellt werden, was hinter dem Ausfluss steckt. Ist eine Behandlung notwendig, sollten Sie sich in jedem Fall genau nach den ärztlichen Anweisungen richten. Die Hälfte der Krankheitsrückfälle ist darauf zurückzuführen, dass die verordneten Medikamente nicht richtig oder nicht lange genug genommen wurden. Oder dass der Partner sich nicht hat mitbehandeln lassen.

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